Das Kinderhaus Bullerbü

Bullerbü in Möggingen?

„Mir tun alle Menschen leid, die nicht in Bullerbü wohnen.” Sagt Inga aus dem Nordhof bei Astrid Lindgren in ihrem Kinderbuch „Die Kinder von Bullerbü”. Könnte vielleicht analog dazu auch ein Kind, das das Mögginger Kinderhaus gleichen Namens besucht, Ähnliches sagen? Gibt es da auch noch die klassische heile Welt wie auf den drei Höfen in einem Dorf im schwedischen Småland, das auf der schnellsten Route 1.480 km von Möggingen entfernt liegt? Natürlich ist auch in Möggingen die Natur nicht mehr ganz so unberührt wie vor hundert Jahren, als Astrid Lindgren ihre Kindheit verbrachte, aber im Vergleich zu anderen Orten in unserem Land ist das Dorf mit seiner Umgebung immer noch sehr von Natur geprägt und die Lage des Kinderhauses mit seiner Hanglage, der schönen Aussicht und dem vielen Grün lässt schon Gedanken an ein Idyll aufkommen.
 
Doch spätestens wenn man morgens zu Fuß auf der Mögginger Schulstraße unterwegs ist und die Elterntaxis an einem vorbeirauschen, bekommt man eine Ahnung, dass wir in anderen Zeiten leben, die nicht mehr ganz so heil sind: Eltern, die Arbeit und Kinderbetreuung in Einklang bringen müssen und entsprechende Ansprüche an die Einrichtungen stellen, Erzieherinnen, die überlastet sind durch Personalmangel, kommunale Behörden, die Rechtsansprüche erfüllen müssen, die an ganz anderer Stelle beschlossen wurden. Und im Mittelpunkt Kinder, denen teilweise die Sprache und das Land fremd sind oder die frühzeitig mit allzu hohen Erwartungen belastet werden. Da greifen dann auch pädagogische Konzepte nicht immer, auch wenn sie noch so schön formuliert sind.

 
Kinderhaus Bullerbü - Gerhard Thau

 

Entstehung des Kinderhauses

Auch die Entstehung des Kinderhauses ging nicht ganz konfliktfrei vor sich: Nachdem die Mögginger Grundschule zum Schuljahr 2012/13 stillgelegt wurde, das Gebäude leer stand und ein Bedarf für ein Kinderhaus in Radolfzell festgestellt wurde, entschied sich der Radolfzeller Gemeinderat zwar für das Mögginger Schulgebäude als Standort. Im April 2013 setzte er sich jedoch über den Vorschlag des Mögginger Ortschaftsrats hinweg und betraute ein anderes Architektenbüro mit der Planung und Ausführung des Baus. Diese Entscheidung sorgte für einiges böses Blut im Dorf und Ortsvorsteher Ralf Mayer sprach von einer „bitteren politischen Lehrstunde”. Pikant war, dass der Gemeinderat selbst vier Jahre später die Möglichkeit in Erwägung zog, dass seine damalige Entscheidung für die Kostensteigerung von ursprünglich veranschlagten 3,5 auf 3,9 Millionen Euro verantwortlich sein könnte.
 
Ein Nebeneffekt des Neubaus war, dass das Gebäude des Kindergartens als nicht erhaltenswert angesehen wurde. Mit seinem Abriss verlor vor allem der Narrenverein einen wichtigen Probe- und Versammlungsraum im Kellergeschoss. Man fand eine Lösung mit dem Ausbau des Dachspeichers im Rathaus, der im Herbst 2016 mit viel ehrenamtlicher Arbeit von Mitgliedern der Vereinsgemeinschaft abgeschlossen wurde.
 
 

Fester Bestandteil des Dorfes

Das Kinderhaus Bullerbü ist seit seiner Einweihung 2016 ein fester Bestandteil des Mögginger Dorflebens geworden. Das Betreuungsangebot ist nicht so vielfältig wie ursprünglich geplant, aber es spielt eine wichtige Rolle im Gesamtkonzept der Stadt Radolfzell. So wurde es 2023 als eine von zwei Piloteinrichtungen ausgewählt, in denen eine ergänzende externe Anschlussbetreuung erprobt wird, nachdem schon vorher Eltern des Kinderhauses in Eigeninitiative für eine zusätzliche Betreuung gesorgt hatten, nachdem diese immer weiter eingeschränkt worden war.
 
Nicht zuletzt durch das Kinderhaus ist Möggingen auch bei Kindern und Eltern aus anderen Ortsteilen und der Kernstadt bekannt geworden und auch die Vereine profitieren davon: Auf den Plätzen des Tennisclubs tummeln sich über 60 Kinder und Jugendliche - und einige davon kamen über das Kinderhaus. Und neulich hörte man doch tatsächlich ein vierjähriges Mädchen vor sich hinmurmeln: „Mir tun alle Kinder leid, die nicht ins Kinderhaus Bullerbü gehen”.



 
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